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Laufzeitkompensation bei Stützmikrofonen
Im Zeitalter der Digitaltechnik ist es kein Problem mehr, die Laufzeitdifferenz eines akustischen Signals zwischen Stützmikrofon und dem weiter entfernten Hauptmikrofonsystem auszugleichen. Der Nutzen einer solchen Laufzeitkompensation ist teilweise umstritten, ebenso das genaue Maß der Delay-Einstellung: Bringt eine Verzögerung exakt "auf den Punkt" (also der genaue Ausgleich der Laufzeitdifferenz zwischen Stütze und Hauptmikrofon) klangliche Vorteile mit sich? Oder wirkt es sich sogar positiv aus, das Delay der Stütze noch weiter zu vergrößern, um das Signal der Stütze zeitlich hinter das Hauptmikrofon zu verschieben? - Im Rahmen dieser Semesterarbeit, die von Prof. Rainer Maillard betreut wurde, haben wir anhand von 30 verschiedenen Beispielen systematisch den klanglichen Einfluss der Verzögerung von Stützmikrofonen untersucht.
Der Versuchsaufbau bestand dabei aus einem Hauptmikrofonsystem in AB-Aufstellung mit festgelegter Basisbreite (45 cm) und einem Mono-Stützmikrofon. Die drei Mikrofone stammten jeweils aus derselben Hersteller-Familie und hatten daher identische Impedanzwandlerschaltungen; die Kapseln (und damit die Richtcharakteristiken) durften verschieden sein. Nun wurden drei Aufnahmen mit jeweils demselben Instrument durchgeführt, wobei der Abstand zwischen Stützmikrofon und Hauptmikrofonsystem bei exakt 2 Meter, 5 Meter und 8 Meter lag. Von jeder dieser Aufnahmen wurden jeweils drei Abmischungen erstellt: einmal ohne Delay, einmal mit exaktem Delay (genau der Wert der Laufzeitdifferenz zwischen Haupt- und Stützmikrofon) und einmal mit exaktem Delay plus 10 Millisekunden. Die Pegelverhältnisse zwischen den Mikrofonen konnten bei den verschiedenen Entfernungen individuell eingestellt werden.
Im Folgenden haben wir einige ausgewählte Beispiele unserer Untersuchungen für Sie zum Download bereitgestellt: kurze Ausschnitte, jeweils in den erwähnten drei Abmischungen, zuerst ohne Delay, dann mit exaktem Delay "auf dem Punkt" und schließlich mit exaktem Delay plus 10 Millisekunden. Auch wenn die Dateien aus Platzgründen im datenreduzierten MP3-Format vorliegen, sind die klanglichen Unterschiede teilweise frappierend. Aber hören Sie selbst...
- Sprache Entfernung Stütze/Hauptmikrofon: 5 Meter
(Aufnahme: Großer Saal, Musikverein, Wien)
- Klavier Entfernung Stütze/Hauptmikrofon: 2 Meter
(Aufnahme: Neue Aula, Hochschule für Musik Detmold)
- Gesang Entfernung Stütze/Hauptmikrofon: 5 Meter
(Aufnahme: Neue Aula, Hochschule für Musik Detmold)
- Pauke Entfernung Stütze/Hauptmikrofon: 8 Meter
(Aufnahme: Musikhalle, Hamburg)
- Orgel Entfernung Stütze/Hauptmikrofon: 8 Meter
(Aufnahme: Martin-Luther-Kirche, Detmold)
- Saxophon Entfernung Stütze/Hauptmikrofon: 2 Meter
(Aufnahme: Martin-Luther-Kirche, Detmold)
- Violine Entfernung Stütze/Hauptmikrofon: 2 Meter
(Aufnahme: Foyer der Neuen Aula, Hochschule für Musik Detmold)
Für den anschaulichen Vergleich zweier Klangbeispiele empfehlen wir das kostenlose Programm
ABX Comparator, dessen Prinzip bereits bei den
DSD/PCM-Hörvergleichen zum Einsatz gekommen ist und komfortable, objektive sog. "Doppel-Blindtests" ermöglicht. Da das Programm leider nur wav-Dateien abspielen kann, ist vorher eine Konvertierung der mp3-Dateien ins wav-Format erforderlich; dies erledigt beispielsweise die Software
MP3 and WAV Solutions (Demoversion kostenlos) in wenigen Schritten.
(ds)
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