Zum Filmausschnitt bitte klicken

Orpheus & Eurydike

An der Hochschule für Musik Detmold ist es üblich, neben vielen kleinen Opernprojekten in jedem Semester auch eine große Opernproduktion szenisch aufzuführen. Gerne werden diese Projekte von den Tonmeisterstudenten genutzt, um die Schwierigkeiten beim Aufnehmen szenischer Darbietungen unter realen Bedingungen kennen und meistern zu lernen.
Der DVD-Mitschnitt von Christoph Willibald Glucks Oper "Orpheus und Eurydike" im Oktober 2003 entstand in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Medientechnik der Fachhochschule Lemgo, was bedeutet: wir kümmern uns um den Ton, die Medientechniker sind für Bild und DVD-Authoring zuständig.
Die Spielstätte dieser Aufführung, das Detmolder Sommertheater, steht in direkter Nachbarschaft zur Hochschule und ist mit Glasfaserkabel an die digitale Nexus-Kreuzschiene im Tonmeisterinstitut angeschlossen. Zum Zeitpunkt der Opernproduktion gab es diese Leitung aber leider noch nicht, weshalb wir uns mit Mischpult, zwei digitalen Bandmaschinen (Tascam DA-38) und Kopfhörern im Foyer des Theaters aufbauten.
Insgesamt wurde mit 14 Mikrofonen aufgenommen (Aufbauplan). Dabei stellten wir ein Hauptmikrofon (AB) und drei Stützen (Holz, Pauken, Harfe) für das Orchester vor der Bühne auf, sechs gerichtete Mikrofone für die Sänger auf der Bühne, zwei für das Bühnenorchester und ein seitliches Mikrofon für Chorpassagen im Zuschauerraum.
Michaela Wiesbeck am Mischpult Bereits während der Generalproben versuchten wir zu notieren, wie sich welcher Sänger bewegt, vor allem schnell bewegt, um auch schon bei der Aufführung einen akzeptablen Livemix an die Kameraleute weitergeben zu können (alle Mikrofone einfach offen zu lassen ergibt kein schönes Gesamtklangbild und erhöht den Geräuschpegel extrem). Die Arbeitsteilung zwischen Aufnahmeleiter (gibt Anleitungen nach Partitur und Notizen) und Mischtonmeister (reagiert auf Anweisungen und Höreindruck) erwies sich dabei als sehr fruchtbar. Gleichzeitig wurden alle Mikrofonsignale auch einzeln aufgezeichnet.
Von diesen Mehrspurbändern fertigten wir schließlich einen Stereo- und einen Surroundmix an. Da wir keine speziellen Surround-Mikrofone aufbauen konnten, haben wir für die Surroundkanäle ein Surround-Hallprogramm eingesetzt. Das Bühnenorchester - das während der Aufführung auch hinter den Zuschauern stand - und die im Zuschauerraum gesungenen Chorpassagen konnten wir effektvoll in die Surroundmischung einbinden.
Zur Kontrolle der akustischen Perspektiven hatten wir eine Rohfassung des Videos zur Verfügung. Die fertige Mischung haben wir schließlich an das von den Lemgoer Kollegen fertiggestellte Bild angelegt.
Das DVD-Authoring übernahmen bei diesem Projekt die Medientechnik-Studenten, die sich dann auch um Layout und Herstellung kümmerten. (mw)

Zum Ausschnitt und weiteren Bildern